Die besten Tipps für die Rückkehr in den Job nach der Elternzeit

19/9/2022
Unternehmen

Virginia - Co-Founderin von Mom Hunting und Mom von zwei wunderbaren Jungs (Leonard (4) & Theodor (7)) hat sich die Zeit genommen, um ihre besten Tipps für die Rückkehr in den Job nach der Elternzeit zu teilen und natürlich auch einen ganz privaten Einblick zu geben. MEGA!

Liebe Virginia, kannst du dich einmal kurz vorstellen - wer bist du und was macht dich als Mensch, Frau und Mutter so aus?

Sehr gerne! Ich bin 42 Jahre alt, sehr glückliche Mutter und Co-Founderin von Mom Hunting, einer Plattform für Diversity Recruiting mit Fokus auf Career Moms & familienfreundliche Unternehmen, die wir sehr bald launchen.
Meine Konzernzeit begann vor 20 Jahren und seitdem habe ich viele unterschiedliche Länder, Unternehmen, Branchen, Bereiche, Führungsstile und vor allem Menschen kennengelernt. Ich habe strategisch und operativ gearbeitet und war zuletzt (z.T. in Teilzeit) Team Lead mit internationaler Verantwortung für den digitalen Travel-Bereich.
Ich war schon immer am meisten interessiert an den Menschen (und weniger an Positionen) und in meinem Kopf „matche" ich sowieso schon immer aus meiner Sicht passende Menschen. Seit einigen Jahren habe ich dies mit meinem eigenen Business nun zum Beruf gemacht. Parallel habe ich eine systemische Coachingausbildung absolviert, um gezielter bei Themen begleiten zu können.
Als New Work Faszinierte verbinde ich nun all diese Elemente, um eine neue Arbeitswelt aktiv mitgestalten zu können.
Ich liebe es über alles, Zeit mit meiner Familie bzw. meinen Kindern zu verbringen und sie beim Aufwachsen bewusst zu begleiten. Gleichzeitig habe ich vor den Kindern sehr viel Zeit, Geld & Energie in meine Karriere investiert. Ich habe sehr viel Spaß daran, mich intellektuell einzubringen und meine Kreativität nicht nur beim Basteln mit den Kids auszuleben. ;) Daher war es für mich nie eine Option, langfristig ausschließlich die Mutterrolle zu leben, sondern schon immer mein Ziel, mich auch beruflich weiter zu entwickeln. Heute kann ich dies sehr selbstbestimmt tun und ich wünsche jeder Mutter, dies auch erleben zu können.
Dass das "Karriere-Familie-Dilemma" 2022 in Deutschland tatsächlich noch immer ein Thema für sehr viele Frauen ist, hat mich dazu bewogen, gemeinsam mit meiner Co-Founderin Nadine die Diversity Recruiting Plattform Mom Hunting zu launchen. Für mehr Vereinbarkeit & Diversity im Management!

Wie ist deine Erfahrung mit der Elternzeit - wie lange warst du off und wie ging es dir damit und danach?

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Elternzeiten erlebt. In meiner ersten Elternzeit war ich zwei komplette Jahre raus und in meiner "Mama-Bubble". Ich habe es sehr genossen, mich ausschließlich darauf fokussieren zu können und bin in der Mama-Rolle auch sehr aufgegangen, habe neue Seiten an mir entdeckt. Nach zwei Jahren bin ich zurück gekommen in meine alte Führungsposition in Teilzeit (60%) und habe auch hier meine Rolle neu definieren können. Weniger Zeit führt automatisch zu mehr Effizienz und mit den zwei Jahren Abstand hatte ich für einige Themen einen neuen, frischen Blick. Eine Sache, die ich rückblickend allerdings anders gemacht hätte: Networking hätte bereits dann eine deutlich höhere Prio haben sollen - es ist ein so wichtiger Faktor für eine selbstbestimmte Karrieregestaltung und vor allem nicht nur internes Networking, sondern vor allem auch extern & so divers wie nur möglich. Das ist bei mir zu kurz gekommen. Aber ich konnte wieder aufholen! ;)
Meine zweite Elternzeit habe ich sehr viel schneller zur Selbstreflexion genutzt und dies endete dann final mit dem Exit aus der Konzernwelt. Mir war schnell klar, dass ich mein eigenes (Business) „Baby“ in die Welt bringen wollte und somit entschied ich mich dazu, zu gründen. Das passierte alles nicht von heute auf morgen, sondern es war ein langer Prozess und auch harte Arbeit (u.a. an mir selbst), aber es hat sich definitiv ausgezahlt.

War das auch der Anstoß deiner Gründung und dem Support von Frauen, die ambitioniert wieder ins Business zurück wollen?

Absolut! Ich kenne so unendlich viele Geschichten von Frauen, denen die Rahmenbedingungen für gelingende Vereinbarkeit fehlen und die deshalb entweder die Karriere komplett an den Nagel hängen oder weit unter ihrer Qualifikation bzw. ihren Fähigkeiten arbeiten. Bisher war z.B. Führung in Teilzeit in den meisten Fällen ein k.o.-Kriterium seitens der Unternehmen. Mit New Work, Corona & dem Talentmangel ändert sich das gerade massiv und flexible Arbeitsmodelle sind dabei, das „New Normal“ zu werden. Dadurch ergeben sich komplett neue Chancen für karriereorientierte Mütter, die sich auch mit Familie beruflich weiterentwickeln wollen. Und das sind (laut einer Umfrage, die wir gemacht haben), unglaublich viele: 7 von 10!
Mit unseren Mom Hunting Angeboten wollen wir genau dort ansetzen:
1) auf der Plattform bekommen Unternehmen Zugang zu einem Top Fem Talent Pool, bei dem sie sich direkt bewerben dürfen (Reverse Recruiting), während sie sehr viel Transparenz zu ihrer „echten“ Familienfreundlichkeit geben
2) mit der geschlossenen Community begleiten wir die Career Moms gezielt entlang ihrer Journey (z.B. CV-Boost, Vereinbarkeit von Familie & Karriere etc.), um ihnen den Einstieg nach Elternzeit bzw. den Wechsel zu vereinfachen/ ermöglichen

Hast du Tipps für die eigene Entscheidungsfindung wie es weitergehen soll mit Kind und Job? Oder ist das zu individuell?

Ich würde immer damit beginnen, wie die eigene Vision von Familie & Karriere aussieht. Das ist höchst individuell und es gibt darauf keine pauschale Antwort. Aber ein Zielbild sollte aus meiner Sicht der ideale Startpunkt sein. Denn mit einem konkreten Ziel lässt sich der Weg in kleine Subziele definieren und sehr viel einfacher gehen. Wenn möglich, würde ich mir auch immer eine(n) Coach(in) zur Begleitung nehmen. Das sorgt für Klarheit und letzten Endes auch Erfolg.
Und ein kleiner Tipp, falls es gerade finanziell etwas knapp ist: Die meisten Ausbildungsstätten für Coaching bieten (kostenlose oder günstige) Lehrcoachings an, wenn man den Coaches in Ausbildung zur Verfügung steht. Das ist eine super Alternative und man erhält ein sehr hochwertiges Coaching von engagierten und kompetenten Coaches, das einen definitiv immer weiter bringt.

Kennst du das Gefühl wenn die Akkus leer sind und wie schaffst du es deine wieder aufzufüllen?


Auf jeden Fall kenne ich dieses Gefühl. Ich stand bereits vor den Kids einmal mit einem Bein im Burn-Out. Es waren einfach zu viele Säulen, die auf einmal am Wackeln waren (neuer Job, Hauskauf/ Renovierung…) und das war einfach zu viel. Ich habe mir zum Glück noch rechtzeitig Unterstützung bei einem Coach geholt und habe schnell wieder zu mehr Stabilität gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar!
Mit Kids & Business sind die Akkus immer mal wieder zu leer, mittlerweile erkenne ich jedoch meine „Warnsignale" sehr gut (schlechter Schlaf, innere Unruhe, voller Kopf...) und gleichzeitig habe ich meine Toolbox, um dem entgegenzuwirken/ vorzubeugen (bewusste Auszeiten, Yoga, Meditation, Breathwork, Natur, Sport). Es ist allerdings kein Selbstläufer, sondern immer aktive und achtsame Selbstführung.

Siehst du in deinem Job als Gründerin Vorteile für deine ganz persönliche Vereinbarkeit oder heißt selber gründen in Wirklichkeit einfach noch mehr arbeiten und noch weniger Zeit für die Kids?

Meine Entscheidung, Gründerin zu sein und das Modell, das ich mit meinem Mann lebe (=geteilte, aktive Elternschaft), führte 100% zu mehr Vereinbarkeit in meinem Leben. Ich bin einfach deutlich selbstbestimmter und auch selbstbewusster mit Terminen als zu meiner Konzernzeit. Ich bin verantwortlich für meinen Terminkalender und kenne meine Prioritäten, z.B. gehören meine Nachmittage i.d.R. den Kids. Da bin ich sehr konsequent und mache ich bis auf dringende Ausnahmen keine Termine, um mich auf die Zeit mit den Kids konzentrieren zu können. Das ist für mich ein sehr erfüllendes Modell und ich bin dankbar, dass dies so möglich ist (und vor allem auch von meiner lieben Co-Founderin unterstützt wird, die zwar keine Kinder hat, aber trotzdem nach Vereinbarkeit von Karriere und Leben strebt). Wir arbeiten beide sehr motiviert, wann und wo es für uns am besten passt mit Fokus auf Output und leben so das für uns beide ideale Vereinbarkeitsmodell!

Danke für deine Zeit, mach unbedingt weiter so!

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